Trading: Aus meinen Fehlern lernen

Finanzbildung

Trading: Aus meinen Fehlern lernen

Was soll man machen, wenn man in der aktuellen Lage viel Freizeit hat und man sich Aktien interessiert? Die Frage habe ich mir gestellt und mich ans Traden versucht. Dabei habe ich einige Fehler gemacht. 

Was ich alles falsch gemacht habe

Auf Traderepublic*, kann man für nur 1 € Ordergebühren Aktien kaufen. Das verlockt einen Positionen nur kurzfristig zu kaufen und mit Gewinnen zu verkaufen (so war jedenfalls das Ziel) . So habe ich mich auch ins Thema hineingestürzt und erste Positionen gekauft und verkauft. Dabei habe ich nicht nur Gewinne gemacht, sondern auch Verluste. Damit du nicht dieselben Fehler machst wie ich, liste ich auf was ich alles an der Börse zum Thema Trading falsch gemacht habe und was man daraus lernen kann. Ich versuche dabei so Transparenz wie möglich zu sein und es auch an eigenen Beispielen zu erklären.

Was ich daraus lerne:

1.) Folge nicht blind der Masse

Vielleicht hast du schon mitbekommen, dass es um manche Aktien einen regelrechten Hype bei den Anlegern gibt. Aber die sind mit Vorsicht zu genießen, denn das bedeutet nicht gleich automatisch, dass die Aktie „gut“ ist.

  • Als Beispiel nehme ich die wohl beliebteste Dividendenaktie Shell. Shell wird oft als einer der ersten Aktien gekauft, weil das Unternehmen eine hohe Dividende zahlt und diese seit 1945 nicht gesenkt hat. Wieso sollte sich jetzt was daran ändern? Doch in der Coronakrise kommt alles anders als gewohnt. Und was ist dann eingetreten? Shell hat ihre Dividende zum ersten Mal seit 75 Jahren gekürzt und der Aufschrei war erstmal groß. Grund dafür ist, dass der Ölpreis massiv eingebrochen. Es wird mehr Öl produziert als es Nachfrage gibt. Die Folge: Das Unternehmen musste ihre Dividenden kürzen um liquide Mittel im eigenen Unternehmen zu halten.
    Shell ist dann nach der Meldung vom 30.04.20 von 16,90 € auf zeitweise 13,69€ abgerutscht.

  • Ein weiteres Beispiel ist die Aktie Wirecard. Gegen Wirecard wurden Vorwürfe erhoben, dass das Unternehmen Bilanzen fälschen würde. Gegen diese Vorwürfe sollte es eine Prüfung geben. Anschließend sollte in Form eines Berichtes diese Vorwürfe entkräftet werden. Viele Anleger waren darauf positiv gestimmt, da man in einem Teilbericht Mitte März bereits nichts Negatives fand.

So bin ich auch in das Unternehmen eingestiegen. Es wurde schließlich nichts Negatives gefunden. Wirecard hat auch starke Kooperationspartner. Man liest nur Positives. Es zahlt eh jeder mit Karte jetzt. Zeit für ein Allzeithoch, wenn der Bericht endlich vorliegt. Was soll schon schief gehen?

Was habe ich getan? Ich bin mit knapp 1000 € in Wirecard über Hebelzertifikate eingestiegen. Es lief auch ziemlich gut, denn die Stimmung war äußerst positiv. Und was ist dann geschehen? Am Tag der Entscheidung hat Wirecard zum 3. Mal ihre Ankündigung nicht eingehalten und den Bericht nicht veröffentlicht. In Kurzfassung was geschah: Shortseller haben die Situation dies und große Positionen verkauft hat. Folge: Der Preis ist stark eingebrochen und ich hatte herbe Verluste.

2. Sei nicht zu gierig

Schwieriger als man denkt und noch schwieriger, wenn man im Plus war. Einen Tag vor dem Bericht war alles im Plus bei mir und ich habe mir ausgemalt, dass es noch viel mehr werden wird, wenn endlich der Bericht da ist. Ich mache es kurz es kam nicht dazu. Hätte ich mal vorher verkauft. Hätte hätte Fahrradkette. Ich war zu gierig und habe die Hebel nicht verkauft.

3. Realisiere (Teil-)gewinne

Wenn man in der Gewinnzone ist, sollte man sein Investment absichern. Das kann man leicht mit der Stoppfunktion machen. Mit der Funktion kann man einstellen, dass es einen automatsichen Verkauf gibt, wenn ein bestimmter Preis (Stopp) erreicht wird. Man kann damit seine Gewinne absichern oder Verluste minimieren. Natürlich habe ich die Funktion nicht genutzt und konnte meine Gewinne nicht halten und musste mit Verlusten verkaufen.

4. Investiere nicht Geld was du brauchst

Ich bin ehrlich mir hat der Verlust schon wehgetan, aber das Geld, was ich investiert habe brauche ich nicht zum Überleben. 

Ich habe in Foren gelesen, dass manche Leute mit Kapital in Wirecard eingestiegen sind, was sie zum leben brauchen und man nun hofft, dass der Kurs wieder steigt.

5. Setze nicht alles auf ein Pferd

Risikomanagement im Auge behalten und mit einen geringen Prozentsatz ein Investment tätigen!

Natürlich habe ich das auch nicht eingehalten und bin All-in in Wirecard gegangen. Ich hatte gleich 5 verschiedene Hebel auf Wirecard gesetzt. Und wenn der Kurs mal einbricht und man sich nicht absichert hat, verliert man alles. So sind 2 Hebel von mir auch KO gegangen.

Bedeutet: da habe ich alles verloren. 3 Hebelzertifikate  wurden mit mindestens -50% verkauft.
Hätte ich die Reißleine später gezogen wären weitere 2 Hebel auch noch KO gegangen und es wäre ein Totalverlust gewesen.

6. Kauf nicht zu wenig Aktien

Weg vom Beispiel Wirecard. Das klingt erstmal bisschen absurd. Wieso sollte ich nicht zu wenig Aktien kaufen?

Das Ding ist, dass man bei jeder Order Gebühren zahlt. Wenn die Aktie günstig ist und man wenige Stücke davon kaufen möchte zahlt man eventuell einen zu hohen Preis.
Bei Traderepublic zahlt man 1 € pro Order.

  • Beispiel: Du kaufst dir eine einzige Bp Aktie (Kurs: 3,66 € Stand 06.05.2020).
                    Dann müsstest du 3,66 € + 1 € (Ordergebühr) = 4,66 € zahlen.

Das wäre 27,3 % Aufschlag auf den Preis, wenn du nur eine einzige Aktie davon kaufen würdest.

Schlauer wäre es, wenn du 10 Stück kaufen würdest. Die 1€ würden sich auf 10 Aktien (0,10 €) pro Aktie aufteilen. Damit wäre der Einkaufspreis 3,76 €, wenn man 10 Aktien kauft.

Ich habe damals auch 1x Gazprom gekauft und hatte dadurch meinen Einkaufspreis deutlich verteuert.

7. Die Dividende(n)redite ist nicht alles

Dividenden sind schön und je höher die Rendite noch besser. Aber nicht alles was glänzt ist auch Gold. Zahlt ein Unternehmen sehr hohe Dividende dann musst man genauer hinschauen. Auch wenn ein Unternehmen die letzten Jahre konstant Dividende ausgeschüttet hat, heißt das nicht, dass die es auch weiterzahlen werden. Wenn das operative Geschäft aktuell nicht läuft, kann es zu Kürzungen oder sogar Streichungen kommen.

  • Einige Beispiele: Lufthansa (Dividende gestrichen), Prosieben (Dividende gestrichen),
    Daimler (Dividende gekürzt von 3,25 € auf 0,90 € je Aktie), Sixt (Dividende gestrichen).

    Deswegen solltest du dich nicht nur auf die Dividendenrendite (meist sind die Werte noch nicht aktualisiert) achten. Es ist wichtig zu wissen, wie das Unternehmen Geld macht. Kann das Unternehmen aktuell Geld verdienen? Wird das Unternehmen in Zukunft wieder auf die Beine kommen? Wie liquide ist das Unternehmen? Das sind alles Fragen, die man sich vorher beantworten sollte, wenn man auf die Dividenden schaut.

    Ich habe auch Aktien wie Macy’s geholt, die eine Dividendenrendite von über 10 % hatte und was ist passiert? Macy’s hat die Dividende gestrichen!

    Also aufpassen und sich nicht von hohen Dividendenrenditen blenden lassen.

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